Krieg

Sieh! Da steigt sie auf, die Morgenröte,
so dunkelrot und voller Nöte.
Dein Tag scheint nur noch Nacht zu sein,
kalt und starr und voll Gebein.
Durch deine Adern fließt der Hass,
gnadenlos und ohne Maß.
Du trinkst das Blut und frisst die Leichen,
bist unersättlich, willst nicht weichen.
Selbst schmeckst du bitter - schauderhaft,
erzeugst Erbrechen, nimmst die Kraft.
Ein eklig’ Krebsgeschwür bist du,
erzeugst nur Schmerzen, gibst nie Ruh.
Verzerrt und narbig dein Gesicht,
sitzt hoch erhaben, hältst Gericht.
Doch halt, bevor ich weiter sag’ die Schmach,
halt’ ich inne, denke nach.
Ich meint schon fast du seist ein Wesen,
so gedacht, ganz falsch gewesen.
Drum bin ich’s selbst, den ich gescholten,
auch wenn es andre anders wollten.


symbol
© Holger Rudolph 2003