Dürre

Trockenheit auf dem Grunde des Seins,
es mangelt der Blüten tränkender Quell.
Jahre der Dürre sind ins Lande gezogen,
gebrandschatzt der fruchtbare, wurmreiche Boden.

Da stehst du nun, in geißelnder Sonne,
ausgesetzt wie ein Hund.
Überlassen hat man dir den Rest deines Lebens,
selbst sollst du’s richten, dein Dasein und Glück.

So irrst du umher, kannst weder leben noch sterben.
Du atmest ohne Luft und isst ohne Nahrung.
Nackt hat man dich hinausgeworfen,
arm an allem, was leben heißt.

Mit Wut schreist du ins Nichts
doch die Leere des Widerhalls lässt dich verzweifeln.
Von jetzt an kannst du wählen zwischen vita und mortis
oder du versteigerst deine Seele.

Doch der Preis ist hoch:
Verkaufst du deine Seele, so wirst du niemals frei sein.
Wählst du den Tod, so wirst du nie gelebt haben.
Willst du aber Leben, so wirst du aus Sandkörnern
deine Welt bauen müssen.

Wenn du also leben willst,
so beginne den Wüstenboden mit deinen Nägeln zu pflügen
und wässere ihn mit deinen Tränen.
Dann, irgendwann, wird deine Beharrlichkeit
eine Oase daraus werden lassen.

symbol
© Holger Rudolph 2003