Der Dichter

Ich wünscht' ich wär' ein Dichter,
der mit Worten von sich gibt,
was tief in seinem Innern
verborgen Kreise zieht.

Der kunstvoll wie ein Maler
den Augenblick erhellt
und hie und da den Menschen
vor so manches Rätsel stellt.

Wort für Wort und Vers um Vers,
rhythmisch wie das eigne Herz,
sich des Dichters Schöpfungskraft
theatralisch Räume schafft.

Kontemplierend dann der Leser,
sich mit allem konfrontiert;
lamentierend, triumphierend
mit des Schreibers Zeilen ziert.

Und wenn der Sinn des so Gesagten
übergreift auf den Verstand;
konstatierend, zelebrierend,
geht die Einsicht Hand in Hand.

Ich wünscht' ich wär’ ein Dichter,
dem das Herz dann übergeht,
wenn er spürt und hört die Dinge,
die der Wind herüber weht.

Sei's ein Säuseln, sei’s ein Toben
ganz egal mit welcher Kraft,
es zu deuten ist die Gabe
mit der er stetig Neues schafft.

© Holger Rudolph 2003